Wir im Wandel

Anfang des Jahres erhielt ich einen Anruf. Ich war gerade dabei, Espressopulver in die Siebträgermaschine zu füllen, als mein Handy klingelte. Normalerweise schreiben mir die Leute Anfragen via E-Mail, bei unbekannten Rufnummern werde ich nervös, weil es in der Regel Hardcore-Werbeanrufe sind, die einen mit neuen Smartphone-Tarifen drangsalieren wollen. Der größte Anteil des Pulvers landete auf dem Boden. Die Stimme am anderen Ende der Leitung klang nicht nach der einer Werbetrulla. Wer genau dran war, konnte ich nicht gleich verstehen, aber da schien jemand noch nervöser zu sein als ich, was mich irgendwie erleichterte. Mit einem „Stör‘ ich?“ endete ihre Vorstellung und ich musste lachen.

Sie hätte Kurzgeschichten geschrieben, ob ich sie lektorieren würde.
Ich sagte ihr, dass sie mir gern eine Kurzgeschichte per E-Mail schicken könne, die würde ich dann lesen und mich wieder bei ihr melden. Sie sagte, ich könne sie auch duzen, sie sei ja erst siebzehn.
Ich war mir nicht sicher, was mich erwarten würde, aber ich hatte einen kleinen Leerlauf und so begann ich direkt mit dem Lesen. Schon nach den ersten wenigen Zeilen lief es mir eiskalt den Rücken hinunter. Da konnte jemand schreiben!

Und so, wie man es eigentlich nicht machen sollte, ohne Exposé, ohne zu wissen, worauf ich mich da eigentlich einlassen würde, nahm ich den Auftrag an.
Aber ich habe es nicht bereut, kein bisschen.

Heute habe ich ein riesiges Paket voll mit türkischen Süßigkeiten und einem signierten Exemplar des Buches Wir im Wandel erhalten, ganz lieben Dank dafür!

Ach ja, der Inhalt. 50 Kurzgeschichten, die alle miteinander verwoben sind, was sich dem

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© Ceren Doga

Lesenden aber erst nach und nach erschließt. Es ist keine leichte Kost, auch wenn ein paar der Geschichten harmlos anfangen – das Schreckensmoment lauert in jedem neuen Satz und lugt zwischen den Zeilen hervor. Nein, es ist kein Horror-Thriller, es behandelt nur die ganz alltäglichen Lebensumstände, denen die Figuren ausgesetzt sind.
Ich hoffe, dass Ceren Doga mit dem Schreiben nicht aufhört, da ist so viel Potenzial, das es noch zu entfalten gilt!

 

Bol şans, liebe Ceren!

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